Quotes from Sibylle Berg
Sie töten so gerne Tiere, weil es unter Strafe steht, Menschen umzubringen, und weil sie doch so gerne auslöschen, am liebsten sich. Wie die Augen blind werden, im Augenblick des Übergangs von einem beseelten Lebewesen zu einem Fleisch. Seele. Das Wort für den Herzschlag.
~ Sibylle Berg
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Ein System war wirklich am Ende, wenn es nicht einmal seinen Kriminellen eine Zukunft bot.
~ Sibylle Berg
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Es war doch so leicht. Dieses Leben, wenn man es den anderen gleichtat.
~ Sibylle Berg
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Die Krebszellen waren Menschen in Kleinausgabe. Alles fressen, was ihnen in den Weg kommt, ohne Rücksicht auf Verluste, auch in Kauf nehmend, vor lauter Gier, dass irgendwann der Wirt nicht mehr ist.
~ Sibylle Berg
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Ohne Bewegung wird der Mensch zu einem unansehnlichen Bündel grauen Fleisches, denn keiner hat die Fähigkeit, sich durch seinen Verstand lebendig zu halten.
~ Sibylle Berg
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Ich zum Beispiel sehe aus wie immer. Wie eine Schlampe ungewissen Alters, die Männer auslutscht, Zigaretten verschlingt, auf hohen Hacken hockt, in ihrem Dekoleté nach Dingen sucht, nach Spaghetti oder ausgelutschten Kippen, nichts findet und sich darauf einen Mann ansteckt.
~ Sibylle Berg
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Natürlich mochte ich die, die nicht ich waren, nur selten.
~ Sibylle Berg
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Ich bedauere dreißig Jahre der Kontaktarmut und glaube fast, dass man sich öfter berühren sollte, es gäbe weniger Elend.
~ Sibylle Berg
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Ein gespaltenes Volk ist ein lenkbares Volk. Es sucht nach Feinden und einem Führer.
~ Sibylle Berg
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Einen braucht es, der Parolen ruft, und mit Glück werden ihm andere folgen. Wenn nicht, dann steht man nicht als Anführer einer Revolution auf der Straße, sondern als Geisteskranker. Es ist immer die Angst, der einzige zu sein und nicht zur Gruppe zu gehören, was den Menschen von bleibenden Taten abhält, und wenn es ihm irgendwann egal wird, was die Gruppe von ihm hält, dann wird er zum Amokläufer.
~ Sibylle Berg
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Es ist hell. Es ist Nacht. Es braucht nicht viel. Ich brauche nichts mehr. Die Dinge quellen aus der Tonne, obszön sieht das aus, all die unnützen Sachen, Gier im Kleinen, so fängt das Elend an, mehr zu wollen, als man brauchen kann.
~ Sibylle Berg
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Vermutlich sind wir uns alle ähnlicher, als wir wollen. Denke ich an meine Eltern, die, im Krieg geboren, unfähig waren, etwas wie Liebe zu entwickeln, verstehe ich, was aus mir geworden ist und warum. Ich habe nie einen Kern gehabt, etwas, das macht, dass ich mich als Teil der Welt begreife, ohne Angst, darin unterzugehen, mich aufzulösen.
~ Sibylle Berg
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Jeder wiederholt seine Fehler ein Leben lang. Völlig klar, dass sich nichts wirklich weiterentwickelt, denn in jedem spiegelt sich die Welt, die ihre Geschichte wiederholt bis zur Verblödung.
~ Sibylle Berg
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Vielleicht steht die Welt gerade am Beginn ihres Unterganges.
~ Sibylle Berg
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Auch Ben benötigte jeden Morgen eine Stunde, um zu wissen, wo er war. Und warum.
~ Sibylle Berg
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Keiner weinte hier. Sie hatten begriffen, dass die Erwartung von Trost einen schwächer macht, empfänglicher für Bosheit.
~ Sibylle Berg
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Toto wusste, dass Tiere über die gleiche Intelligenz verfügen wie Menschen und allein durch eine Verkettung unglücklicher evolutionärer Umstände in Körper ohne Stimme und ohne praktische Hände geboren werden.
~ Sibylle Berg
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Ich war ein wenig verstört über unsere offensichtlichen Gemeinsamkeiten, hatte ich doch gemeint, Lichtjahre von ihm entfernt zu sein.
~ Sibylle Berg
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Ich bin kein Kind, ich bin nicht niedlich; warum soll man so jemanden streicheln?
~ Sibylle Berg
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In dem kleinen sozialistischen Land hatte man gemeinhin Probleme mit den Gefühlen und dem Berühren, mit Zärtlichkeit und Anteilnahme, das lag nicht an dessen geographischer Position im Norden Europas, sondern vielmehr an seiner Geschichte, in der für überbordendes Mitgefühl noch nie Preise verliehen wurden.
~ Sibylle Berg
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