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Quotes from Juli Zeh

Kathrin dachte, dass es manchmal schöner war, der Stimme eines fremden Schriftstellers zu lauschen, als einen real existierenden im Haus zu haben. Nach dem Abendessen würde Wolfi seinen Krieg gegen sich selbst endlich an den Schreibtisch verlegen, und Kathrin könte sich mit einem Buch in ihren Sessel setzen und die Arbeit eines Autors genießen, von dessen Krisen sie nichts wissen musste.
~ Juli Zeh
Das Spiel ist der Inbegriff demokratischer Lebensart. Es ist die letzt uns verbliebene Seinsform. Der Spieltrieb ersetzt die Religiosität, beherrscht die Börse, die Politik, die Gerichtssäle, die Pressewelt, und er ist es, der uns seit Gottes Tod mental am Leben hält.
~ Juli Zeh
Was den Menschen vom Tier unterschied, war die Fähigkeit, im Angesicht der Katastrophe "Siehste!" zu denken.
~ Juli Zeh
Draußen verwässert erstes Morgenlicht das satte Nachtschwarz des Himmels. Es ist der Moment, in dem Gestern zu Morgen wird und es für eine kurze Zeit kein Heute gibt.
~ Juli Zeh
A]ber eigentlich ist doch gerade ein starker Wille das Markenzeichen des schwachen Menschen. Denn als solcher muss er ständig etwas wollen. Er muss wirken und werken, probieren und trainieren, derweil dem Starken alles wie von selbst gelingt.
~ Juli Zeh
Warten ist Gegenwart. Das generelle Verhältnis des Menschen zur Zeit. Warten zeichnet Gottes Umrisse an die Wand. Warten ist jenes Durchgangsstadium, das wir als unsere Existenz bezeichnen!
~ Juli Zeh
Menschen brauchen einen Vorwand, um sich miteinander beschäftigen zu können.
~ Juli Zeh
Religion ist nichts anderes als die Lehre davon, wie man frei von Erkenntnis gehorcht [...].
~ Juli Zeh
Eigentlich gehörte sie zu einer Generation, deren turnschuh-tragenden und Sushi-essenden Vertretern schon der Besitz einer Hauskatze als unerträgliche Verantwortung erschien. "Haus bauen, Baum pflanzen, Kind zeugen" war kein Glücksrezept mehr, sondern eine Horrorvision. Die Ewigpubertierenden wollten sich alles offen halten und wunderten sich dann über Orientierungslosigkeit.
~ Juli Zeh
Die Tatsache, dass wahre Schönheit mit Selbstvergessenheit zu tun hatte, passte zum seltsamen Humor des Schöpfers: Jene, die sie besaßen, wussten nichts damit anzufangen, während alle, die etwas davon verstanden, niemals in ihren Besitz gelangten.
~ Juli Zeh
Wenn von zwei ausschließlichen Varianten eine die Katastrophe, die andere das Warten auf die Katastrophe bereithält, so räumt das Abwarten doch wenigstens dem Zufall eine winzige Chance ein.
~ Juli Zeh
clever people will judge the truth according to its usefulness, not validity.
~ Juli Zeh
Ich sehe keinen Sinn darin, der eigenen Vergangenheit hinterherzuräumen. Anwachsende Unordnung ist ein Maß für das Vergehen von Zeit.
~ Juli Zeh
Ich fühl mich eigentlich immer scheiße außer manchmal.
~ Juli Zeh
Sie weiß immer noch nicht, wie es weitergehen soll, aber sie weiß wenigstens, wie es nicht weitergeht, und das ist vielleicht alles, was ein Mensch im Leben wissen kann.
~ Juli Zeh
Das Schöne an der Zeit ist, dass sie ohne Hilfestellung vergeht und sich nicht an dem stört, was in ihr geschieht. Auch die nächste Handvoll Sekunden wird sich vom Acker machen, und schon ist das, was eben noch unmöglich erschien, vergangen und vorbei. Warten ist nicht schwer. Das Leben besteht aus Warten. Folglich, beschließt Sebastian, ist das Leben kinderleicht.
~ Juli Zeh
Das Recht ist kein Kreißsaal für die Gerechtigkeit und hat niemals behauptet, einer zu sein. Das Recht besteht aus Gesetzen, Gesetze bestehen aus Wörtern, und Wörter können manches sein, sicher aber nicht gerecht.
~ Juli Zeh
Am Anfang war das Wort, am Ende das Ding.
~ Juli Zeh
Eine Eigenschaft war etwas, auf das man mit dem Finger zeigen konnte, wenn man sich selber meinte. [...] Durch den Erwerb von Eigenschaften gelang noch dem Dümmsten der schwierige Akt der Selbsterschaffung.
~ Juli Zeh
Der Mensch ist taub und blind gegen die Welt, aber er spürt es wie Rheuma, wenn ihn etwas am Schicksal reißt.
~ Juli Zeh
Gerechtigkeit gibt es in der Hölle. Im Himmel herrscht Gnade.
~ Juli Zeh
D]ie spezielle Müdigkeit, die jeden befällt, der sich anhören muss, was gut und böse, richtig und falsch sei, obwohl niemand mehr die Grundlagen dieser Unterscheidung zu erklären oder auch nur zu benennen vermag. Moral dient der Herbeiführung von Berechenbarkeit.
~ Juli Zeh
Es wäre unsinnig, das Leben mit Warten auf die zweite Instanz zu verbringen.
~ Juli Zeh
Sein halbes Leben hatte Gerhard an dem Widerspruch zwischen Denken und Handeln gelitten. Er hatte sich als Intellektueller gefühlt und versucht, darin eine Auszeichnung zu sehen, die für andauerndes Scheitern entschädigte. Insgeheim war ihm schon lange klar gewesen, dass der Satz "Der Klügere gibt nach" eine Falle darstellte und dass es sich beim Zusatz "bis er der Dumme ist" nicht um einen Witz, sondern um eine logische Konsequenz handelte.
~ Juli Zeh